Du bist nicht schuld, und du musst das nicht allein tragen. Angehörige können viel tun: ruhig sprechen, Grenzen setzen, kein Geld leihen und Hilfe für sich selbst suchen. Lösen kann das Problem am Ende nur die Person, die spielt.
Woran merke ich, dass jemand zu viel spielt?
Auf Anzeichen von Spielsucht findest du die Liste. Besonders oft fallen Angehörigen auf:
- Rückzug und weniger Zeit für die Familie
- Geldprobleme, die sich nicht erklären lassen
- Streit und Unwahrheiten
- Heimlichkeit rund ums Handy oder Konto
Das sind Hinweise, kein Beweis. Das Check-dein-Spiel-Portal nennt Rückzug, Geldprobleme, Streit und Unehrlichkeit als Signale. Laut gesund.bund.de sprechen oft Angehörige das Problem zuerst an, weil Betroffene es verbergen.
Wie spreche ich das Thema an?
- Wähle einen ruhigen Moment ohne Zeitdruck und ohne Publikum.
- Sprich über das, was du beobachtest. „Mir ist aufgefallen, dass …“ klingt anders als „Du bist …“.
- Sag, dass du dir Sorgen machst, und was du dir wünschst.
- Hör zu. Du musst nicht gleich eine Lösung haben.
- Rechne damit, dass die Person abwehrt oder sich schämt. Ein erstes Gespräch löst selten alles.
Biete an, bei der Suche nach Hilfe zu unterstützen, zum Beispiel beim Anruf beim Beratungstelefon.
Was kann ich tun, was lieber nicht?
Das hilft:
- Verstehe Glücksspielsucht als Krankheit. Das empfiehlt auch das BIÖG.
- Kümmere dich um dein Wohlbefinden und deine Finanzen.
- Biete Unterstützung an, aber lass die Verantwortung bei der spielenden Person.
Das hilft nicht:
- Schulden heimlich bezahlen.
- Geld „ein letztes Mal“ leihen.
- Die Folgen des Spielens abfangen.
Das BIÖG schreibt dazu, dass Angehörige keine Verantwortung für die Folgen des Spielens übernehmen sollen. Denn die Probleme, die durch das Spielen entstanden sind, könne nur die spielende Person selbst lösen. Geld zu leihen oder Schulden zu bezahlen löse die Ursache nicht.
Wie schütze ich mein Geld?
Trenne deine Konten von denen der Person, soweit das möglich ist. Unterschreibe keine Kredite für andere. Wenn Schulden entstanden sind, hilft eine Schuldnerberatung. Frag vor dem Termin nach den Kosten, denn sie sind nicht überall gleich geregelt. Anerkannte Stellen findest du über vz-schuldnerberatung.de.
Was ist eine Fremdsperre?
Eine Fremdsperre trägt eine Person in das bundesweite Sperrsystem OASIS ein, ohne dass sie selbst den Antrag stellt. Sie kann von Anbietern oder von Dritten beantragt werden, zum Beispiel von Angehörigen, Freunden oder Kollegen.
So läuft es ab:
- Du stellst den Antrag beim Regierungspräsidium Darmstadt oder bei einem an OASIS angeschlossenen Anbieter.
- Du brauchst eine Begründung und Nachweise, etwa für Überschuldung oder Glücksspielsucht. Genannt werden zum Beispiel Kontoauszüge.
- Die betroffene Person kann sich äußern, bevor die Behörde entscheidet.
- Die Sperre gilt mindestens ein Jahr und endet danach nicht automatisch.
Die gesperrte Person kann nach der Mindestdauer die Aufhebung beantragen. Sie darf dann frühestens einen Monat später wieder spielen. Du wirst darüber informiert und kannst eine neue Sperre beantragen.
Eine Fremdsperre gilt nur bei legalen, angeschlossenen Anbietern. Sie ersetzt kein Gespräch. Manche Menschen fühlen sich dadurch übergangen. Überlege, ob du vorher mit der Person sprichst oder dich beraten lässt.
Was ist mit Kindern?
Laut gesund.bund.de haben Kinder aus Familien mit Glücksspielproblemen ein höheres Risiko, selbst Probleme zu bekommen. Du kannst ihnen helfen, indem du ehrlich und altersgerecht erklärst, was los ist. Sag ihnen, dass sie nichts dafür können. Eine Beratungsstelle kann dir zeigen, wie du das machst.
Wie sorge ich für mich?
Du darfst Grenzen setzen und dir Hilfe holen, auch wenn die andere Person noch nicht bereit ist. Nimm dir Zeit für Dinge, die dir guttun. Sprich mit Freunden oder in einer Selbsthilfegruppe. Angebote richten sich nach der DHS ausdrücklich auch an Angehörige. Eine internationale Option ist Gam-Anon, mit Gruppen für Familie und Freunde.
Wo bekomme ich Hilfe als Angehörige oder Angehöriger?
- Beratungstelefon des BIÖG: 0800 1 37 27 00. Kostenlos, auf Wunsch anonym. Auch für Angehörige. Telefonberatung gibt es laut Check dein Spiel auch auf Polnisch, Russisch, Türkisch und Arabisch.
- Time Out. Kostenloses, anonymes Online-Beratungsprogramm für Angehörige auf check-dein-spiel.de.
- E-Mail-Beratung über dieselbe Seite.
- Suchtberatungsstellen. Sie beraten Betroffene und Angehörige, sind kostenfrei und unterliegen der Schweigepflicht. In der Therapie werden Angehörige nach gesund.bund.de oft einbezogen.
Weitere Stellen findest du unter Hilfe finden. Wenn jemand schon aufhören will, hilft die Seite Aufhören.
Wenn jemand in akuter Gefahr ist oder daran denkt, sich etwas anzutun, ruf die 112 an.